Dienstag, 3. April 2018

Mein Tauchabenteuer - Koh Tao Teil 2

Zu den wenigen Dingen, die ich mir schon vorab zumindest grob für meine Reise vorgenommen hatte, zählte "einen Tauchschein machen".

Schonmal als kleine Vorwarnung, dieser Eintrag wird etwas länger. Tauchen braucht eben seine Zeit.


Spontane Planänderung

Ursprünglich war mein Reiseplan eigentlich etwas anders. Ich wollte meine Cousine Kira von Koh Phangan aus in Richtung Bangkok begleiten und dann erstmal meinen Flug nach Vietnam (Ho Chi Minh City) antreten. Diesen Flug hatte ich einen Tag vor meinem Abflug nach Bangkok gebucht, da ich beim Check-in nachweisen musste, dass ich Thailand nach maximal 30 Tagen ohne Visum wieder verlassen würde.

Relativ spontan habe ich diesen Plan am vorletzten Tag auf Koh Phangan dann noch über Bord geworfen. Bevor ich das erste Mal auf Koh Tao gewesen bin, war mir nicht bewusst, welch ein Tauchmekka die Insel ist.

Wieso sollte man irgendwo seinen Tauchschein machen, wenn man ihn auch am dafür besten Ort Thailands oder vielleicht sogar der ganzen Welt machen kann?

Somit habe ich kurzerhand meinen Flug nach Vietnam verfallen lassen und bin zurück nach Koh Tao gefahren, um meinen Plan in die Tat umzusetzen.

Bis zum Ablauf meiner legalen 30 Tage in Thailand hatte ich noch gut acht davon übrig, das war also kein Problem. Solange man innerhalb dieser Frist das Land verlässt, ist es Thailand egal wann und wie. Sollte man jedoch diese Frist überschreiten kann das bei der regulären Ausreisekontrolle ein teurer Spaß werden.


Warten auf die Fähre auf Koh Phangan

Auf der Fähre zurück nach Koh Tao

Wiedersehen macht Freude: Zurück auf Koh Tao

Auf der Suche nach einer Tauchschule

Koh Tao ist die Taucherinsel schlechthin! Das merkt man schnell. Ungefähr in jedem dritten Laden entlang der Strandpromenade am Sairee Beach befindet sich eine Tauchschule. Um die 70 Stück davon gibt es bestimmt verteilt über die ganze Insel - die Zahl habe ich irgendwo mal gehört, ich bin in diesem Fall allerdings keine verlässliche Quelle.

Wie entscheidet man sich nun also für eine passende Tauchschule? Wer die Wahl hat, hat eindeutig auch die Qual. Und Entscheidungen treffe ich ja ach so gerne...

Ich hatte bereits drei oder vier Empfehlungen von Freunden und Bekannten im Gepäck und wollte mir die Schulen einfach mal persönlich vor Ort ansehen und herausfinden, wo ich das beste Gefühl habe.

Bereits am Hafen von Koh Phangan wurde ich von einem Promoter für die weltweit größte Tauchschulenkette angesprochen - Ban's Diving. Zufällig auch eine der Empfehlungen, die ich bekommen hatte.

Angekommen auf Koh Tao gabelte mich der Promoter wieder auf und ich habe gerne zumindest die Freifahrt dorthin mitgenommen. Bereits in der Eingangshalle und auch während der Führung merkte ich allerdings schnell, dass dies nicht mein Ort sein würde. Zwar wurde ich professionell informiert, konnte frei zwischen Englisch und Deutsch wählen und hätte noch am selben Tag dort starten können für einen vergünstigten Preis. Allerdings war mir das Ganze zu fließbandartig. Die Tauchinteressenten wurden einer nach dem anderen reingelosts, informiert und herumgeführt. Das war mir zu anonym. Für halbe Sachen ist die Auswahl einfach zu groß.

Nach der kleinen Inforunde ohne Verkaufsabschluss habe ich dann natürlich keine Freifahrt mehr zu meinem bereits gebuchten Hostel bekommen, somit bin ich die 20 Minuten samt Gepäck durch die pralle Sonne gelaufen. Aber Sonne mag ich ja und ans Schwitzen hab ich mich eh längst gewöhnt.

Eingecheckt habe ich dann ins HIVE Hostel. Ziemlich neu, bunt und gesellig. Hier habe schnell einige Leute getroffen, die bereits mehrere Wochen in diesem Hostel verbracht haben. Für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu weit vom Schuss ab. Ohne Roller läuft man ganz schön lange in Richtung Strand. Aber für eine Nacht kann ich überall übernachten. Mein Plan war ja so schnell wie möglich meinen Tauchkurs zu starten, möglichst bereits am Folgetag.

Auf dem Weg zu weiteren Tauchschulen hat mich Helen begleitet, die ich bereits kurz im Hostel kennengelernt hatte. Helen hat gerade ihr Abitur in Deutschland gemacht und reist ebenfalls allein durch Südostasien. Sie wollte sich nach ein paar Schnorchelmöglichkeiten erkundigen.

Da der Tag schon relativ weit vorangeschritten war und wir auf dem Weg noch einen Essensstopp einlegen musste, war der Großteil der Tauchschulen bereits geschlossen. Ein paar Infos konnte ich noch einholen, wollte dann aber lieber am Folgetag weitersuchen.


Kokonuss Wettertstation an der Strandpromenade

Abendessen im Lieblingsrestaurant Krua Thai mit Helen und anderen Tauchern,
die wir auf dem Weg zufällig getroffen hatten.

Rainbow Fish Divers

Am nächsten Tag ging plötzlich alles ganz schnell. Quasi wie geplant. Eine Tauchschule stand noch auf meiner Empfehlungsliste und deren Website hatte mich schon fast überzeugt: Rainbow Fish Divers
Eine gute Website ist immer schon die halbe Miete wie ich finde.

Ursprünglich hatte ich nichtmal darüber nachgedacht meinen Tauchschein auf deutsch zu machen, obwohl ich viel Gutes darüber gehört hatte. Das war also eigentlich kein Kriterium für mich. Die Tauchschule meiner Wahl hat mich dann aber gleich sehr freundlich empfangen. Dort sitzt die liebe Pooh an der Rezeption und kümmert sich um alles. Ich konnte direkt am selben Tag anfangen.

Die Preise bei Rainbow Fish Divers sind etwas höher als die der meisten anderen Schulen in der Umgebung. Dafür geht der Kurs einen Tag länger und es sind zwei Tauchgänge mehr inkludiert. Für mich stellte sich das schnell als sehr gut investiertes Mehr-Geld heraus.

Ach ja, und das ein Tauchvideo war auch noch im Preis enthalten. Das gibt's ganz unten zu sehen.

Ich habe direkt das Komplettpaket für den SSI Open Water Kurs gebucht inklusive der Unterbringung im Rainbow Dorm. Das Ganze hat mich umgerechnet ein bisschen mehr als 300 Euro gekostet. Ein wahres Schnäppchen, wenn man dies mit Kurspreisen in Europa vergleicht. Bei den günstigeren Tauchschulen auf Koh Tao kann man nochmal circa 50 Euro sparen - wenn man das möchte.

Los geht's mit dem Tauchkurs

So ein Tauchkurs findet nicht ausschließlich im Wasser statt. Wie man sich denken kann, benötigt es auch ein bisschen was an Theorie. Der Tauchsport ist nicht ganz ungefährlich. Daher gibt es die ein oder andere Regel, an die man sich halten muss, wenn man nicht möchte, dass der Sauerstoff knapp wird oder einem das Trommelfell platzt.

Tag eins bestand hauptsächlich darin, die Gruppe kennenzulernen und schonmal zwei der fünf Theorie-Videos in klimatisierter Umgebung anzusehen.

Die maximale Gruppengröße bei Rainbow Fish Divers ist sechs, dazu ein Tauchlehrer. Meine großartige Tauchgruppe bestand auch fünf Teilnehmern und Sascha, unserem entspannten und sehr erfahrenen Tauchlehrer. Diese Entspanntheit kam ganz besonders mir ziemlich bald sehr zugute.

Unsere Gruppe war gut gemixt: Christina & Nils, dazu Jessi, Chris-Marvin und ich. Drei Mal Hamburg und Umgebung (na gut, Bremen), ein Mal Ruhrpott und dazu ein Ossi. Wir haben uns alle auf Anhieb gut verstanden, gegenseitig unterstützt und die Mittagspause und meist auch die Abende gemeinsam verbracht.

Viereinhalb Tage ging der Anfängerkurs. Der halbe Tag war der erste mit Kennenlernen und Videosession. Dann ging's weiter mit den ersten Übungen im Wasser, wieder Theorie, dann die ersten Tauchgänge und so weiter.


Stundenplan, wie in der Schule.

Abends im Bett noch büffeln

Wäre da nicht der Kopf

Es könnte alles so einfach sein. Theoretisch geht Tauchen so:

Taucherausrüstung zusammensuchen, aufbauen, anziehen (und das ganze Ding inklusive Flasche ist ganz schön schwer!), ab ins Wasser, Maske aufsetzen, Atemgerät in den Mund und runter geht's.

Rainbow Fish Divers hat keinen eigenen Pool zum Üben, sondern es geht direkt ins Meer. So kann sich jeder gleich an die richtige Umgebung im Salzwasser gewöhnen.

Wir sind nur ein paar Meter direkt vom Strand aus alle zusammen ins Meer und haben mit den ersten Übungen gestartet. Also zumindest haben alle anderen damit gestartet. Ich hingegen war ziemlich damit beschäftigt ständig und panisch wieder aufzutauchen, um nach Luft zu schnappen. Dieses ganze Konzept von Maske im Gesicht, dazu noch der Atemregler im Mund, anders atmen als normal und auf gar keinen Fall durch die Nase, hat sich meinem Kopf nicht erschlossen.

Ich muss dazu sagen, dass ich sicherlich nicht prädestiniert bin fürs Tauchen. Das wusste ich. Schnorcheln mit Maske hat mir vorher nie besonders gut gefallen. Und Wasser ist auch nicht unbedingt mein Element. Schwimmen kann ich natürlich und ich wollte einfach wissen, wieso alle Taucher so begeistert sind von diesem Sport.

Wie auch immer, es wollte mir einfach nicht gelingen auch nur fünf Minuten am circa zwei Meter entfernten Meeresboden zu verweilen. Ich konnte mich einfach nicht überwinden und die Panik stieg mit jedem Versuch und jedem Tropfen Wasser in der Nase. Ich konnte meinen Kopf nicht abschalten.

So bin ich dann erstmal allein zurück an den Strand und war erstmal ziemlich enttäuscht von mir selbst. In dem Moment konnte ich mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll und sah mich schon ohne Tauchschein weiterreisen. 

Es gibt einfach diese Hürden im Leben, die in manchen Momenten unüberwindbar erscheinen. Ich hatte tatsächlich Angst unter Wasser und der Entspannungsfaktor lag für mich in ungreifbarer Entfernung.

Sascha sah das Ganze noch ziemlich entspannt und hatte mir aufgetragen, nochmal ordentlich schnorcheln zu üben und den Tag dann einfach erstmal abzuhaken. Vielleicht würde das ja helfen.

Ganz aufgeben wollte ich selbstverständlich noch nicht und habe zusammen mit der sehr verständnisvollen Jessi dann noch diverse Schnorchelübungen gemacht.

Einigermaßen guten Mutes bin ich dann in den nächsten Tauchtag gestartet. Wenig erfreulicherweise stand hier bereits das berüchtigte Maske-Abnehmen auf dem Programm.

Nachdem der Theorieteil des Tages vorüber war, hat Sascha erstmal nur mich allein mit ins Wasser genommen. Wir sind ein Stückchen rausgeschwommen und erst dann ein bisschen abgetaucht. Ganz entspannt.

Dann hat es plötzlich Klick gemacht!

Ich hatte es geschafft und konnte auch über die ersten schlimmen fünf Minuten hinaus unter Wasser bleiben und weiterhin ein- und ausatmen. Sogar die Übung mit dem kurzfristigen Rausnehmen des Atemreglers und das Ab- und wieder Aufsetzen (mit Augen auf!) der Maske konnte ich schnell und erfolgreich (naja, eventuell auch erstmal eher schlecht als recht) hinter mich bringen.

Yeah! Ab jetzt konnte das Abenteuer Tauchen so richtig beginnen. Glückselig habe ich ganz besonders diesen Abend verbracht und freute mich auf die folgenden.



Sonnenuntergang auf Koh Tao

Tauchkurs und weitere Freizeit auf Koh Tao

Ab jetzt hat jeder Tauchtag so richtig viel Spaß gemacht. Nachdem das Pflichtprogramm mit weiteren Übungen und auch der Theorietest (kein Hexenwerk) abgehandelt waren, ging es raus aufs große, weite Meer. Es gab viele bunte Fische und einen ziemlich gefährlich wirkenden Moment mit einem Barracuda zu erleben.

Am allerbesten daran war aber einfach dieses ganz bestimmte Gefühl, das sich unter Wasser einstellt, wenn es mit der Tarierung (Auftrieb oder auch Balance) erstmal so einigermaßen klappt. Tauchen fühlt sich an wie Fliegen. Man bewegt sich fort ohne zu laufen, kann hier und da mal eine Rolle drehen. Es fühlt sich an wie eine ganz besondere Freiheit. Und oben drauf gibt's dann noch diese ziemlich coole und faszinierende Welt der Meerestiere und Korallen.

Wenn ich nicht gerade unter Wasser war, dann habe ich die meiste Zeit mit der Tauchtruppe und ein paar anderen Leuten aus unserem Tauch-Hostel verbracht. Zum schnell enger werdenden Kreis gehörten noch Lukas, der leider aufgrund einer ziemlich fiesen Wunde am Arm erstmal keinen Tauchschein mehr machen konnte und Antonia, die bereits einen Tag weiter war im Kurs.

Gefrühstückt haben wir meistens im Flowers. Das Restaurant gehört quasi zur Tauchschule und es gibt 20% auf Getränke, wenn man das hübsche blaue Tauchschulen-Gummiarmband vorgezeigt hat.

In thailändischen Restaurants ist die Service-Mentalität doch recht anders als in good old Germany. Es braucht meist eine Weile, bis man überhaupt bedient wird und es kommt so gut wie niemals vor, dass alle gleichzeitig ihr Essen bekommen oder die Vorspeise vor dem Hauptgang gebracht wird. Auch wird man eher selten bis nie gefragt, ob man noch etwas trinken oder vielleicht zahlen möchte.

Was auch eine typische Szene ist, wenn der Kellner etwa 15 Minuten nachdem man bestellt hat nochmal wiederkommt mit der Information, dass das gewünschte Gericht heute nicht (mehr) verfügbar ist. Dies wiederholt sich dann gerne auch noch ein paar Mal bis sich endlich etwas findet, das dann auch zubereitet werden kann.

So lief es auch an einigen - oder auch an allen Tagen für uns im Flowers ab. Dennoch kamen wir wieder. Das Essen war lecker, es gab tolle Eisgetränke und unsere Lieblingskellnerin Boom kam stets mit einem Lächeln auf den Lippen zu unserem Tisch.

Hier die Highlights von meinem zweiten Mal auf Koh Tao in Bildern:


Jessi und ich machen brav unseren Hausaufgaben

Lernen für den Theorie-Test

Christina, Jessi, Nils, Chris-Marvin und ich auf dem Taucherboot namens Deine Mudda 2


Alles OK über und auch unter Wasser

Die Tauchausrüstung ist startklar für den nächsten Tauchgang

Es geht raus aufs Meer

Abendessen im Lieblingsrestaurant Krua Thai, direkt vor unserem Hostel

Für die angestrengten Beine gibt's eine schöne Massage

Feierabendbierchen am Strand mit Jessi und Chris



Tiefer tauchen und Weiterreise

Ob ihr es glaubt oder nicht, nach den anfänglichen Startschwierigkeiten war ich so begeistert vom Tauchen, dass ich mehr und besser werden wollte. Somit habe ich dann gleich noch den Anschlusskurs drangehängt und darf mich nun Advanced Adventure Diver nennen.

Jessi und Chris taten es mir gleich und gemeinsam hatten wir noch zwei weitere tolle Tauchtage, in denen wir bis auf knapp 30 Meter runtertauchen konnten.

Im Anschluss an unseren letzten Tauchgang hieß es für dann direkt Abschied nehmen. Abschied von der Tauchtruppe, von Koh Tao und auch erstmal von Thailand.

Pooh hatte mir eine Kombination aus Fähre und Nachtbus nach Bangkok gebucht, von wo aus ich einen Flug nach Vietnam (Hanoi) genommen habe.



Kurz vor dem letzten Tauchgang - ein schöner Abschied.


Tauchvideo

Hier gibt's unser super cooles Tauchvideo zu sehen:

Video <-- hier klicken

Passwort: scuba

Filmed and edited by Jacob for Koh Tao ProVideo





Bye Bye Koh Tao Teil 2 und Thailand Teil 1 - Danke für die großartigen ersten Eindrücke!



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Ich freue mich über viele bunte Nachrichten :)

Sonnige Grüße
Kathi